Heute ist der Erste Advent und der Beginn einer Zeit, die für die meisten mit Besinnlichkeit oder Besinnung recht wenig zu tun hat, ist sie doch meist geprägt von Hektik, Hektik und noch mal Hektik. Außerdem steht dann das so hochgradig idealisierte Weihnachtsfest vor der Tür, das in den allermeisten Familien mit viel Stress davor, währenddessen und danach verbunden ist . Nie bekomme ich so viele Anfragen für Therapie und Paartherapie wie kurz nach Weihnachten.
Über „die geheime Kriegsführung unterm Tannenbaum“ gibt es noch einen separaten Newsletter und zwar meinen traditionellen Weihnachtsnewsletter, seit mehreren Jahren fast immer der gleiche, ist das Thema doch ein absoluter Evergreen.
Heute aber möchte ich mit Ihnen folgendes teilen.
Ich bin vor wenigen Wochen 60 Jahre alt geworden und hatte vor diesem runden Geburtstag einen sehr großen Respekt. In meinem Kopf geisterten Gedanken herum wie „Du gehörst jetzt zu den Senioren. Mit 60 Jahren waren deine Großmütter alte Frauen. So taufrisch ist alles nicht mehr. Die Energie lässt nach. Wie wird mein Leben jetzt wohl werden?“
Und? Wie ist mein Leben jetzt? Soooo schön!
Ich habe im Kreise von Familie und lieben Freunden ein rauschendes Fest gefeiert, dass mich so unglaublich beglückt hat. Insbesondere, weil ich mir meines größten Reichtums bewusst geworden bin: wundervolle Menschen, die mich schon seit vielen, vielen Jahren und Jahrzehnten begleiten. Alte Freunde, Geschwister, Kinder, mein erster Mann, neue Freunde. Ich habe mich so unglaublich reich beschenkt und glücklich gefühlt, habe ein kurzes rotes Kleid getragen und mich schöner, kraftvoller und glücklicher denn je gefühlt.
Ich fühle mich wie in der Blüte des Lebens. Ich habe noch so unglaublich viele Ideen, so viel Freude und so viel Lust an meinem Tun.
Ich werde im nächsten Jahr mein Praxis- und mein Arbeitskonzept bedeutend verändern, von der eins zu eins Begleitung von Menschen mehr hin zu Gruppenprogrammen, Podcasts, Büchern und Formaten, mit denen ich möglichst vielen Menschen meine Erfahrung, Expertise und Wissen zugänglich machen kann, denn jetzt ist dran zu leben und aus dem Vollen zu schöpfen.
Ich möchte keine 20, keine 30, keine 40 und auch keine 50 mehr sein. Es ist genau gut so, wie es jetzt ist. Zwar sind diverse kleine Zipperlein da, aber dafür ist eine unglaubliche Fülle an Menschen, Ideen und Lust am Leben da, wie ich es schon lange nicht mehr verspürt habe.
Diese Worte, die ich heute an Sie richte, sollen eine Ermutigung sein, einmal innezuhalten, den Lärm da draußen, die Erwartungen, den Stress, die elektronischen Geräte und die lauten Stimmen in uns beiseitezulegen und uns im Spiegel zu betrachten – uns wertzuschätzen, zu lieben und uns dafür zu danken, was wir sind, was wir geschafft haben, was uns berührt, was uns interessiert und was wir noch tun möchten, egal ob wir 30, 60 oder 80 sind. Advent bedeutet Ankunft. Vielleicht bei uns selbst? Ich glaube fest daran, dass es nie zu spät ist für ein zufriedenes Leben.
Vielleicht haben Sie dann auch Lust, meinem Gespräch mit Léon Heimann in seinem Podcast „Mindseed“ zu lauschen, in dem ich natürlich wie immer über Narzissmus gesprochen habe und schwerpunktmäßig über unsere Eigenverantwortung, damit aus uns selbst, wenn wir Opfer waren, keine Täter werden.
Nun wünsche ich Ihnen einen friedvollen ersten Advent mit ein paar kostbaren Momenten für und mit Ihnen selbst.
